Vita
1972
geboren in Berlin
1993–1998
Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee (Malerei / Freie Kunst)
1997
Studium an der Akademie der Bildenden Künste Wien
1999
Meisterschülerin an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee bei Prof. Dieter Goltzsche
2002 - 2004
Arbeitsaufenthalt in Rom, Italien
Stipendien
2003
Jahresstipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für Rom, Italien
2001
Stipendium der Akademie der Künste für die Villa Serpentara in Olevano Romano, Italien
Arbeitsstipendium der Stiftung Kulturfonds
2000
Stipendium der Stiftung Kulturfonds für das Künstlerhaus Lukas, Ahrenshoop
1999
Förderpreis der Mart-Stam-Gesellschaft, Berlin
Meisterschülerstipendium des Berliner Senators für Wissenschaft, Forschung und Kultur
1998
Stipendium der Aldegrever-Gesellschaft Münster in Séguret, Frankreich
Ausstellungen
2011
Propaganda Fide, Galerie m2a, Dresden
Ideale Landschaften, Franziskanerkloster/Museum der Stadt Zerbst, Zerbst/Anhalt
2010
Tapetenwechsel, Neues Kunsthaus Ahrenshoop (GA, Katalog)
2009
anonyme zeichner / archive selection 2009, fruehsorge contemporary drawings, Berlin (GA)
Positionen gemalt, Neues Kunsthaus Ahrenshoop (GA)
2008
Pastorale, TEST Berlin, Berlin (EA, Katalog)
2007
Il trionfo della Divina Provvidenza, Galerie Hartwich Rügen, Sellin (EA)
2006
Ideallandschaften, Galerie im Prater, Berlin (EA, Katalog)
Realität und Sichtbarkeit, Galerie Epikur, Wuppertal (GA, Katalog)
2002
Try 8, Galerie Parterre, Berlin (GA, Katalog)
2001
Acquerelli, Villa de Pisa, Museo-Centro Studi sulla pittura di paesaggio europea del Lazio, Olevano R., Italien (EA)
1999
Mart-Stam-Preisträger 1999, KHB, Berlin (GA, Katalog)
Meisterschüler, Rotes Rathaus, Berlin (GA)
Denise Richardt
„Über meine Arbeit”
Regina Bärthel
„Aussicht ins Innere”
Denise Richardt
Über meine Arbeit
„Um etwas zu zeigen, das hinter den Dingen liegt, müssen die Dinge anwesend sein. Ebenso sinnlos ist es, Dinge darzustellen, hinter denen nichts liegt.” - Agnes Martin
Seit Jahren ist Landschaft das von mir gesuchte Motiv für meine Auseinandersetzung mit Malerei. Es ist vor allem das große Potential an abstrakten Formen und Strukturen, das mich bei diesem Sujet reizt.
Die Konfrontation mit einer konkreten Umgebung ist für mich sehr wichtig. Es geht mir jedoch nicht darum, eine Landschaft zu „bewältigen“. Ich nähere mich zwar einem Ort, indem ich versuche, seine Eigenheiten festzuhalten, doch in diesem Prozess entwickelt sich ein Thema, ein Bildgegenstand, der über das topografisch Narrative hinausgeht. Das konkrete landschaftliche Motiv wird von einem abstrakten malerischen Thema überlagert. Beide Komponenten, konkrete Landschaft und künstlerische Idee, schlagen sich schließlich in einem Bild nieder.
Es ist für mich unumgänglich, Linie und Farbe von der Pflicht der Darstellung loszulösen. Denn entbunden von dieser Aufgabe und der der Illustration, Illusion usw., wird etwas freigesetzt, das mir wichtiger und bedeutender für das Malen erscheint, als der Aspekt des Abbildens. Die Qualitäten und Merkmale des Mediums Malerei - Linie und Fleck, Farbe und Form, Räumlichkeit und Flächigkeit, Rhythmus und Dynamik etc. - können, unabhängig von einem Bedeutungsvollem, zur Wirkung kommen.
Die Emanzipation der malerischen Mittel, die - unter anderem - auch der Weg ist, dem Medium Malerei näherzukommen, muss jedoch nicht in einer gänzlichen, scheinbar konsequenten Abstraktion münden. Ähnlich einem musikalischen Thema, das die Grundlage bildet für die Paraphrasen und Variationen eines Musikstücks, markiert das noch Gegenständliche eines Bildes den Punkt, von dem aus sich eine abstrakte, nicht gegenständliche Bearbeitung der Idee entwickeln kann.
Mich interessiert eben diese Spannung zwischen Motiv und Abstraktion.
Regina Bärthel
Aussicht ins Innere.
Landschaftsmalerei von Denise Richardt
(Text zur Ausstellung Pastorale, TEST Berlin, 2008)
Dramatisch wölben sich Farbflächen dem Betrachter entgegen, lustvoll durchschnitten von Linien, Kringeln und Schraffuren. Leuchtendes Grün, glühendes Rot und kühles Blau bilden einen Kontrapunkt zu dunklen Braun- und Grüntönen: Eine Polyphonie, die Topografien ausbildet. Sehr konsequent beschäftigt sich die Malerin Denise Richardt mit der Landschaftsmalerei. Diese bietet ihr das Potential an Farbe, Form, Raum und Fläche, das sie als ideales Material für ihre Auseinandersetzung mit den Fragestellungen der Malerei versteht. Immer wieder sind dabei Ansätze der Landschaftsmalerei aus dem Barock und der deutschen Frühromantik zu erkennen.
Die Landschaften von Denise Richardt sind jedoch alles andere als Veduten, bilden keinen Weltausschnitt naturalistisch ab. Wenn wirbelnde Wolkengebilde eine aufgewühlte See begleiten ("Wolke", 2007) oder eine Polyphonie lebendiger Farbschichten und -schattierungen einen frühsommerlichen Gebirgssee evozieren ("Il ritorno dell' Armonia Celeste" 2008), fühlt man sich an die Ideallandschaften des Barock erinnert: bereits hier wurden statische Strukturen dekonstruiert und dynamisiert, die Technik ermöglichte nicht nur illusionistisch gestaffelte Landschaftsräume, sondern auch die Wiedergabe menschlicher Stimmungen und Affekte. Der dargestellte Landschaftsraum wird so emotional und inhaltlich aufgeladen, besonders gut nachvollziehbar in "Gipfel" von 2005, in dem dräuende Wolken gewittrig über Berggipfel ziehen oder einem im optimistisch strahlenden Rot-Grün-Komplementärkontrast gehaltenen Hügel und dem davor in waagerechten, blaulasierenden Streifen ruhenden See nichts anhaben können ("Dreieinigkeit", 2007). In all ihrer Dynamik und Dramatik sind diese Gemälde spannungsvoll und rhythmisch komponiert – ähnlich einem Musikstück des Barock.
Während der Barock jedoch die Apotheose religiöser oder weltlicher Herrschaftsansprüche feierte, war man sich in der Romantik, einer weiteren maßgeblichen Epoche der Ideallandschaft, der Subjektivität und Relativität unserer Wahrnehmung bereits bewusst. Individualität und individuelles Erleben waren die Grundlagen der Romantik – gebrochen durch die Sehnsucht nach dem Allgemeingültigen, dem Absoluten. Dieses unreflektierte Weltverständnis jedoch war dem modernen Menschen unmöglich geworden und konnte auch in der auf Reflexion beruhenden Kunst nicht adäquat dargestellt werden – war sie doch per definitionem künstlich, nicht natürlich. Das romantische Kunstwerk enthielt mithin stets seine eigene Kritik, indem es sich selbst ironisch hintertrieb. In der romantischen Ironie spiegelt sich das Wissen um den paradoxen Charakter des eigenen Standpunkts, um das Paradoxon der menschlichen Existenz schlechthin. Die "richtige" Wiedergabe der Wirklichkeit zusammen mit dem perspektivisch erfassbaren logischen Bildraum wurden damit hinfällig; Räume, Gestalten, Ereignisse erhielten symbolischen Charakter, konnten immer auch etwas anderes bedeuten. Die Form der Darstellung wie auch ihre Bedeutung war daher subjektiv bestimmt. Denise Richardt zitiert diesen Gedanken auf höchst sinnfällige Weise, in dem sie einem Landschaftsgemälde sehr bestimmt einen weiteren "Rahmen" einfügt: "Ein Ausschnitt" von 2005 definiert den gewählten Weltausschnitt als subjektiv, beliebig und enthält – wie bei einer russischen Matroschka - das Bild im Bild.
Fassbar werden die Gemälde von Denise Richardt dennoch als Landschaften, die das Gemälde als weiten Raum öffnen. Diese Landschaftsräume geben eine Anmutung von Realität, von Welt: Topografien, Licht, Schatten, Atmosphäre, Stimmung – diese Malerei evoziert den Eindruck von Natur, die jedoch stets subjektiv gefiltert, interpretiert erscheint. In einem weiteren Schritt ermöglicht sie dem Betrachter, sich selbst in der Landschaft "umzusehen": In jüngster Zeit bearbeitet die Malerin große Formate von 3 mal 1,5 Metern ("Pastorale" und "Aria", 2008), in denen das Auge wandert, in Wellen- und Kreisbewegungen flaniert und damit einen nahezu musikalischen Klang erzeugt.
In ihrer Malerei vollzieht Denise Richardt einen Auflösungsprozess der Form, der bis an die Grenzen des Abstrakten geht. Mit dieser Ambivalenz zwischen Realismus und Abstraktion thematisiert die Malerin die Kluft zwischen Realität und Repräsentation.
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